Wann passt ein Westernsattel und wann nicht?

Einen Westernsattel hat gegenüber einem klassischem Modell einen großen Vorteil, die größere Auflage.
Ein klassischer Sattel liegt auf dem Rücken, ein Westernsattel "umschließt" den Rücken, weil er zum einen bis über die Schulter greift und zum anderen die Auflagen (Bars) breiter sind als die des Klassischen.

Aber darum ist es auch um ein vielfaches komplizierter einen passenden Westernsattel zu finden.
Beginnen wir bei den Bars. Die Bars haben verschiedene Kriterien, die von Sattel zu Sattel unterschiedlich sind. Zum einen ist die Gulletbreite wichtig. Diese wird zwischen den beiden Conchas am vorderen Teil des Sattels gemessen. Die Weite die dabei rauskommt, bestimmt die Baumgröße. Ob es ein Araber-, Semi-, Quarter-, Full-Quarter-, oder X-Full-Quarter-Baum ist.
Dann gibt es noch die Winkelung der Bars oder auch Flare genannt. Das ist die Winkelung der Bars zum Pferderücken.
Ein Sattel mit viel Flare hat einen fast flachen Baum, den man z.B. bei breiten Pferden wie Haflingern, Tinkern oder allgemein Kaltblütern braucht. Würde man einen solchen Sattel auf einen schmalen Araber legen, würde man im unteren Teil des Sattels einen ganze Faust zwischen Pferd und Sattel bekommen, da der Baum viel zu weit für das Pferd wäre. Anders herum, würde man einen Sattel mit einer steilen Barstellung auf einen breiten Haflinger legen, würde er wie ein Hütchen auf dem Pferd stehen und nur mit der Aussenkante an das Pferd kommen, der Rest vom Baum würde gar nicht zum tragen kommen.
Außer der Winkelung gibt es auch noch die Biegung in der Längsachse. Hat man z.B. ein Pferd mit einem Senkrücken, muß der Sattel auch genügend Schwung mitbringen, anderenfalls würde er nur auf der Schulter und auf dem Flankenbereich aufliegen und in der Mitte eine Brücke machen. Der umgekehrte Fall wäre, dass ein Pferd mit einem geraden Rücken eine Schaukel auf dem Rücken hätte, wenn man einen Sattel mit viel Schwung auflegen würde. Diese Sättel neigen auch beim gurten dazu, nach vorne zu kippen, das heißt sie stehen hinten hoch und setzten sich unangenehm hinter die Pferdeschulter.
Last but not least sollte man auf den Bereich unter der Fork achten. Dieser Bereich liegt auf dem Pferderücken genau an der Stelle, wo das Schulterblatt aufhört. Manche Pferde wie Araber neigen dort zu Kuhlen, andere wie Haflinger gehen dort nahtlos in den Rücken über.

An dieser Stelle gibt es Sättel mit viel Taillierung und Sättel die fast flach sind. Würde man jetzt einen Sattel der an dieser Stelle fast gerade verläuft auf ein Pferd mit tiefen Pockets (Vertiefungen hinter dem Schulterblatt) legen, würde er in diesem Bereich gar nicht richtig aufliegen, sondern der Druck würde sich auf das Schulterblatt und den Bereich hinter den Pockets verteilen. Wenn sich das Pferd dann in Bewegung setzt, wird der Sattel durch die sich bewegende Schulter nach hinten gedrückt und rutscht komplett hinter die Schulter. Das entgegengesetzte Beispiel wäre, dass der Sattel in diesem Bereich zu stark nach innen gewölbt wäre (zu viel Taillierung), das Pferd aber dort kaum Pocketvertiefungen hätte. Wenn dies der Fall ist, sieht man das am lose auf dem Pferd liegenden Sattel schon daran, dass der Bereich an der Schulter praktisch in der Luft hängt und die Auflage erst in diesem Pocketbereich anfängt. Gurtet man jetzt den Sattel, zieht man diese Vertiefungen dem Pferd mit aller Macht hinter die Schulter. Verkürzte Tritte und Verspanntheit sind die Folgen.
Grob zusammengefasst muß bei einem passenden Westernsattel folgendes stimmen.
  1. Der Schwung in der Längsachse muß dem Schwung vom Pferderücken entsprechen.
  2. Die Winklung der Bars muß ebenso steil oder flach sein, wie der Umfang des Pferderückens.
  3. Die Baumgröße muß der Brustbreite des Pferdes entsprechen. Ein Baum der zu groß ist, wirkt für einen Laien oft zu eng, da er so tief rutscht bis es nicht mehr geht und dann im vorderen Conchabereich klemmt.
  4. Die Taillierung unter der Fork muß mit der Vertiefung hinter der Schulter übereinstimmen.
  5. Das hintere Ende des Sattels darf, wenn der Reiter drauf sitzt und das Pferd geht, nicht auf die Dornfortsätze drücken. Der Reiter muß noch dazu in der Lage sein, seinen Finger oder seine flache Hand unter den mittleren Teil des Skirts zu schieben.
  6. Das Sattelbaum darf nicht länger sein, als der tragfähige Bereich des Pferderückens. Dieser endet am Übergang von der Brust- zur Lendenwirbelsäule hinter der 18. Rippe
Wenn man einen neuen Sattel ausprobiert, reicht es nicht ihn aufzulegen und dann zu entscheiden. Ein stehendes Pferd ist immer etwas anderes als ein sich bewegendes Pferd.

Anmerkung: Im oberen Text werden die Begriffe Pockets oder Pocketvertiefung verwendet.
Diese Begriffe wurden zum besseren Verständniss verwendet und haben keinen fachlichen Ursprung.
Hierbei ist der Musculus Trapezius pars Thoracica gemeint. Dieser ist rassebedingt mehr oder weniger deutlich ausgeprägt.
Deutliche, nicht zum restlichen Exterieur passende Vertiefungen, sind durch eine Atrophie dieses Muskels entstanden.
Als Ursache liegt in den meisten Fällen das Reiten mit einem nicht passenden Sattel zu Grunde.
Sättel
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